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KI Recherche zu Ann Wiesental

Ann Wiesental ist eine zentrale Figur in der Entwicklung und Verbreitung des Awareness-Ansatzes sowie in verwandten aktivistischen Strömungen im deutschsprachigen Raum, insbesondere im Kontext queerfeministischer und linker Bewegungen. Ihre Arbeit und die von ihr mitinitiierten Projekte und Organisationen wie "Care Revolution", die "Konferenz Antisexistische Praxen" und das "Awareness Institut" zielen darauf ab, für Diskriminierung und sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren


Recherche zu Ann Wiesental: Projekte, Netzwerke, Finanzierung und Kontroversen

I. Einleitung

A. Vorstellung des Themas und der Relevanz

Ann Wiesental ist eine zentrale Figur in der Entwicklung und Verbreitung des Awareness-Ansatzes sowie in verwandten aktivistischen Strömungen im deutschsprachigen Raum, insbesondere im Kontext queerfeministischer und linker Bewegungen. Ihre Arbeit und die von ihr mitinitiierten Projekte und Organisationen wie "Care Revolution", die "Konferenz Antisexistische Praxen" und das "Awareness Institut" zielen darauf ab, für Diskriminierung und sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren, Betroffene zu unterstützen und gesellschaftliche Machtverhältnisse kritisch zu reflektieren und zu verändern. Die Relevanz einer kritischen Untersuchung ergibt sich aus der zunehmenden Verbreitung dieser Konzepte in subkulturellen Räumen, aber auch in etablierteren Institutionen, sowie aus den damit verbundenen Debatten über deren theoretische Grundlagen, praktische Umsetzung und potenzielle Auswirkungen.

B. Zielsetzung und Fragestellungen der Recherche

Diese Recherche verfolgt das Ziel, eine ausgiebige kritische Untersuchung der Person Ann Wiesental, ihrer Projekte und der von ihr mitgetragenen Organisationen vorzunehmen. Im Fokus stehen dabei folgende Fragestellungen:

  1. Welchen biografischen Hintergrund hat Ann Wiesental und welche Rolle spielt sie in den genannten Bewegungen?

  2. Was sind die Kerninhalte und Ziele ihrer zentralen Projekte und Konzepte wie "Care Revolution", "Konferenz Antisexistische Praxen" und des "Awareness-Ansatzes"?

  3. Wie gestaltet sich die Finanzierung dieser Projekte und Organisationen, und welche Rolle spielen dabei öffentliche Gelder und Stiftungen?

  4. Mit welchen einflussreichen Personen und Organisationen arbeitet Ann Wiesental zusammen?

  5. Welche kritischen Aspekte, Kontroversen und Problematiken sind mit ihrer Arbeit und den von ihr propagierten Konzepten verbunden?

C. Methodisches Vorgehen und Quellenlage

Die vorliegende Recherche basiert auf der Analyse öffentlich zugänglicher Quellen. Dazu gehören Webseiten der genannten Organisationen und Projekte, Publikationen von und über Ann Wiesental, Berichterstattungen in Medien sowie wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit den betreffenden Themenfeldern. Es wird eine kritische Auswertung dieser Quellen vorgenommen, um ein möglichst umfassendes und differenziertes Bild zu zeichnen. Es ist zu beachten, dass die verfügbaren Informationen mitunter von den Akteurinnen und Akteuren selbst stammen und daher einer kritischen Distanz bedürfen. Informationen über interne Strukturen und Finanzierungsdetails sind nicht immer vollumfänglich transparent.

II. Ann Wiesental: Biografischer Hintergrund und zentrale Rolle

A. Werdegang und Aktivismus

Ann Wiesental hat sich seit 2007 als maßgebliche Akteurin bei der Einführung und Entwicklung des Awareness-Ansatzes in Deutschland profiliert. Sie lebt in Berlin und ist in queerfeministischen und sozialen Bewegungen aktiv. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Unterstützung von Betroffenen von Diskriminierung und (sexualisierter) Gewalt sowie auf die "Transformative Arbeit" mit gewaltausübenden Personen. Von 2007 bis 2014 war sie an der Organisation mehrerer Konferenzen beteiligt, die wesentlich zur Entwicklung des Awareness-Ansatzes beitrugen. Im Jahr 2021 war sie Mitgründerin des Awareness Instituts.

Die biografischen Angaben zu Ann Wiesental sind in den öffentlich zugänglichen Quellen eher spärlich und fokussieren primär auf ihren Aktivismus ab 2007. Es gibt keine detaillierten Informationen über ihren Ausbildungsweg oder frühere Tätigkeiten vor diesem Zeitpunkt in den bereitgestellten Materialien. Die Verwechslungsgefahr mit dem bekannten Nazijäger Simon Wiesenthal oder dessen Umfeld ist gegeben, jedoch handelt es sich hierbei um eine andere Person und einen anderen thematischen Kontext. Auch eine Verbindung zur Missionsschule Unterweissach, wie sie in einem der recherchierten Snippets angedeutet wird , lässt sich für die hier untersuchte Ann Wiesental nicht belegen und scheint auf einer Namensgleichheit oder -ähnlichkeit zu beruhen.

B. Publikationen und öffentliche Auftritte

Ann Wiesental ist Autorin mehrerer Publikationen, die im Unrast Verlag erschienen sind und sich thematisch mit Awareness und dem Umgang mit sexualisierter Gewalt auseinandersetzen. Zu ihren wichtigsten Werken gehören:

  • "Antisexistische Awareness. Ein Handbuch": Dieses Buch, dessen dritte Auflage für September 2024 angekündigt ist, zielt darauf ab, Sexismus und sexualisierter Gewalt mit Awareness, Unterstützungsarbeit, Intervention und gesellschaftlicher Veränderung zu begegnen. Es wird als "politisches Manifest für ein solidarisches Zusammenleben" (Lisa Mangold, junge Welt) und als "unbedingtes Muss für die Arbeit zur Prävention vor sexualisierter Gewalt" (Heinz-Jürgen Voß, socialnet) rezipiert. Das Handbuch richtet sich an Betroffene und Unterstützer*innen und bietet praktische Tipps aus zehn Jahren antisexistischer Unterstützungsarbeit.

  • "Haltung zeigen. Awareness als Antwort auf Diskriminierung und Gewalt": In dieser Publikation skizziert Wiesental die Entwicklungen der letzten Jahre und versucht, der Verflachung des Awareness-Ansatzes entgegenzuwirken, indem sie den Blick auf die zugrundeliegende Haltung lenkt.

  • Zusammen mit der Gruppe RESPONS entwickelte sie ein Konzept, das im Buch "Was tun bei sexualisierter Gewalt? Handbuch für die Transformative Arbeit mit gewaltausübenden Personen" (Unrast 2018) vorgestellt wird.

Neben ihren Buchveröffentlichungen tritt Ann Wiesental auch in anderen Formaten in Erscheinung, beispielsweise in Podcasts wie dem "aware affect Podcast" zum Thema "organisiert gegen sexistische & patriarchale zustände" oder bei Buchvorstellungen und Diskussionsveranstaltungen. Sie wird als externe Ombudsperson für Vereine wie das SV-Bildungswerk e.V. tätig, wo sie als unabhängige Ansprechpartnerin bei Problemen fungiert und mit dem Awareness Institut assoziiert ist.

III. Kernprojekte und -konzepte von Ann Wiesental

A. Der Awareness-Ansatz

1. Entstehung und Entwicklung in Deutschland

Ann Wiesental gilt als die Person, die den Awareness-Ansatz 2007 in Deutschland bekannt gemacht hat. Dieser Ansatz entstand nicht im luftleeren Raum, sondern hat Wurzeln in der zweiten Frauenbewegung der 1970er und 80er Jahre, in der Frauen und queere Personen begannen, sichere Räume zu schaffen und Gewaltstrukturen zu analysieren. Die Gründung der ersten "Antisexist Contact- und Awarenessgroup" durch Wiesental und andere Aktivist*innen im Kontext der G8-Proteste 2007 markierte den Beginn einer Bewegung unter dieser Bezeichnung in Deutschland. Nach 2007 entwickelte Wiesental den Begriff "Awareness" zusammen mit vielen Aktiven und Gruppen zu einem eigenständigen Ansatz weiter. Dieser Prozess wurde maßgeblich durch die von ihr initiierten und von queerfeministischen Personen und Gruppen organisierten bundesweiten "Antisexistische Praxen Konferenzen" (2007-2012) geprägt.

2. Grundprinzipien: Parteilichkeit und Definitionsmacht

Zentrale Werkzeuge und Prinzipien des Awareness-Ansatzes, die bereits in früheren feministischen Bewegungen entwickelt wurden, sind die "Parteilichkeit" (Parteilichkeit) und die "Definitionsmacht" ((https://awareness-institut.net/glossar/definitionsmacht/)). "Definitionsmacht" bedeutet, dass die betroffene Person die Autorität hat, zu definieren, was sie als Grenzverletzung oder Gewalt erlebt hat, ohne dass dies von außen in Frage gestellt wird. "Parteilichkeit" impliziert, sich solidarisch an die Seite der betroffenen Person zu stellen und ihre Perspektive anzuerkennen. Diese Prinzipien sollen sicherstellen, dass die Erfahrungen und Bedürfnisse der Betroffenen im Mittelpunkt stehen und Retraumatisierungen vermieden werden. Der Ansatz basiert auf dem Erfahrungswissen von Betroffenen und ihren Verbündeten und ist grundlegend intersektional und machtkritisch ausgerichtet.

3. Verbreitung und Institutionalisierung

Der Awareness-Ansatz hat sich seit seiner Einführung stark verbreitet. Konferenzen wie die von der Gruppe e*vibes 2012 und 2013 in Dresden organisierten trugen zur weiteren Popularisierung bei. Zwischen 2010 und 2017 organisierte Ann Wiesental vier bundesweite Vernetzungstreffen von Awarenessgruppen. Der Ansatz fand Eingang in soziale Bewegungen, die Clubkultur und wird mittlerweile auch von Bildungsträgern, Jugendverbänden und emanzipatorischen Parteien genutzt. Diese Verbreitung führte jedoch auch zu einer Institutionalisierung, Kommerzialisierung und einem "Mainstreaming" des Konzepts. Bereits 2019 wurde auf einem Vernetzungstreffen diskutiert, dass neue Akteur*innen im Mainstream oft wichtige Grundlagen des Awareness-Ansatzes nicht umsetzen, was zu einer Verflachung führen kann. Ann Wiesentals Buch "Haltung zeigen" zielt explizit darauf ab, dieser Verflachung entgegenzuwirken.

B. Konferenz Antisexistische Praxen

Die "Antisexistische Praxen Konferenz" wurde von Ann Wiesental ins Leben gerufen und fand von 2007 bis 2012 jährlich statt. Diese bundesweite Konferenz wurde von queerfeministischen Personen und Gruppen organisiert und diente als wichtiger Ort für die Entwicklung und Diskussion des Awareness-Ansatzes. Sie bot eine Plattform für Vernetzung und Austausch innerhalb der wachsenden Awareness-Bewegung. Eine direkte Fortführung unter diesem Namen ist nicht ersichtlich, jedoch finden weiterhin Awareness-Konferenzen statt, wie beispielsweise die für Mai 2024 in Berlin geplante Konferenz, die von Einzelpersonen aus der Bewegung selbstorganisiert und auf Basis unbezahlten politischen Engagements ausgerichtet wird. Ann Wiesental war auch auf dieser Konferenz mit einem Beitrag zur Institutionalisierung, zum Mainstreaming und zur Kommerzialisierung von Awareness vertreten.

C. Gruppe RESPONS und das Konzept der Transformativen Arbeit

Ann Wiesental entwickelte gemeinsam mit der Gruppe RESPONS ein Konzept zur Transformativen Arbeit mit gewaltausübenden Personen, das im Buch "Was tun bei sexualisierter Gewalt?" (Unrast 2018) vorgestellt wird. RESPONS trifft sich seit 2009 und arbeitet praktisch und theoretisch zu Transformativen Ansätzen in den USA und Berlin. Mitbegründerinnen von RESPONS sind Ann Wiesental und Melanie Brazzell, die auch Mitbegründerin des Transformative Justice Kollektiv Berlin ist. Das Konzept der Transformativen Arbeit zielt darauf ab, Personen, die sexualisierte Gewalt ausgeübt haben, einen langfristigen Reflexions- und Veränderungsprozess zu ermöglichen. Dieser Prozess ist freiwillig und setzt den Wunsch der gewaltausübenden Person zur Veränderung voraus. Es geht darum, die Perspektive der Betroffenen zu verstehen und zu respektieren, eigene gesellschaftliche Positionierungen und Gewaltmuster zu reflektieren und das Verhalten langfristig zu ändern. Eine grundlegende Annahme ist, dass gewalttätiges Verhalten erlernt ist und auch wieder verlernt werden kann, wodurch Macht- und Gewaltdynamiken durchbrochen werden sollen. Diese Arbeit wird als Beitrag zur Prävention weiterer Übergriffe und als eine Form der "Wiedergutmachung" gegenüber Betroffenen verstanden.

D. Das Awareness Institut

Das Awareness Institut wurde 2021 von Ann Wiesental mitgegründet. Die Gründung erfolgte als Reaktion auf die Verbreiterung und das Mainstreaming des Awareness-Ansatzes und die damit einhergehende Sorge, dass wichtige Grundlagen nicht mehr umgesetzt werden. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben Ann Wiesental auch die Initiative Awareness Leipzig, rave*awareness, AwA* (Wien), A*Team Freiburg und Safe Night e.V. (Hamburg). Das Institut versteht sich als Netzwerk und Zusammenschluss von Kollektiven und Initiativen aus der Bewegung, die Bildungsarbeit leisten. Es bietet Anlaufstellen für Betroffene von struktureller und interpersoneller Gewalt im Kontext von Veranstaltungen oder Gruppen und unterstützt Organisator*innen sowie lokale Awareness-Gruppen mit Informationen und Trainings. Das Awareness Institut arbeitet an der Definition und Dokumentation von Mindeststandards für Awareness-Arbeit, um eine qualitativ hochwertige Praxis zu sichern. Ann Wiesental ist auch als externe Ombudsperson für Organisationen wie das SV-Bildungswerk e.V. tätig und wird in diesem Kontext dem Awareness Institut zugeordnet.

IV. Finanzierungsstrukturen der Projekte und Organisationen

Die Finanzierung der von Ann Wiesental initiierten oder mitgetragenen Projekte und Organisationen speist sich aus verschiedenen Quellen, darunter öffentliche Förderprogramme, Stiftungsgelder und potenziell Spenden oder Einnahmen aus Dienstleistungen. Eine vollständige Transparenz aller Geldflüsse ist anhand der vorliegenden Quellen nicht immer gegeben.

A. Finanzierung des Awareness Instituts und assoziierter Projekte

Das Awareness Institut selbst wurde 2021 von einem Zusammenschluss verschiedener Gruppen und Personen, darunter Ann Wiesental, gegründet. Direkte Angaben zur Grundfinanzierung des Instituts als solches sind in den Snippets nicht explizit detailliert. Es fungiert jedoch als Netzwerk und Plattform für verschiedene Akteur*innen und Projekte, die wiederum eigene Finanzierungen aufweisen können.

Ein wichtiges Projekt, das mit dem Awareness Institut in Verbindung steht, sind die "Awareness Institut - Anlaufstellen Nord /Süd". Dieses Projekt wurde von Februar 2022 bis Januar 2025 von der Initiative Awareness e.V. getragen und durch die Stiftung Deutsches Hilfswerk sowie diverse Ko-Finanzierungsgebende gefördert. Die Initiative Awareness e.V. ist auch Trägerin des Projekts "support f(x) – Awareness-Schnittstelle für Sachsen" (seit Januar 2024), das vom Freistaat Sachsen über Steuermittel finanziert wird. Ein früheres, bundesweites Projekt namens "support f(x) – Schnittstelle für Awareness" (2021-2024), bei dem Ann Wiesental als Kooperationspartnerin genannt wird, wurde durch das Bundesprogramm "Demokratie Leben!", das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die Heidehof Stiftung und die Stadt Leipzig (2021) gefördert. Das Projekt "Awareness im Mauerpark" wurde aus Mitteln der kiezorientierten Gewalt- und Kriminalitätsprävention der Senatsverwaltung Inneres, Digitalisierung und Sport von Berlin gefördert.

Die Initiative Awareness e.V., die als Trägerverein für einige dieser Projekte fungiert , bedankt sich zudem für Spenden des Kulturkosmos e.V. und von Einzelpersonen.

Es ist festzuhalten, dass die Finanzierung oft projektbasiert erfolgt und von verschiedenen öffentlichen und privaten Geldgebern stammt. Die Notwendigkeit, finanzielle Ressourcen für Awareness-Arbeit in Budgets einzuplanen, wird auch in Leitfäden betont, die sich an Veranstalter*innen richten, inklusive angemessener Bezahlung für Awareness-Teams und Finanzierung von Fortbildungen.

B. Finanzierung des Netzwerks Care Revolution

Das Netzwerk Care Revolution ist ein bundesweiter Zusammenschluss von über 80 Kooperationspartner*innen. Die direkte Finanzierungsstruktur des Netzwerks selbst ist in den vorliegenden Quellen nicht detailliert offengelegt. Es wird als "bundesweiter Zusammenschluss" und als "Teil einer im Werden begriffenen Care-Bewegung" beschrieben. Die Aktionskonferenz Care Revolution im März 2014, bei der die Gründung des Netzwerks beschlossen wurde, hatte 500 Teilnehmende. Ob hier Teilnahmegebühren erhoben wurden oder andere Finanzierungsquellen genutzt wurden, ist nicht spezifiziert.

Das Netzwerk trifft sich zweimal im Jahr zu überregionalen Netzwerktreffen und es haben sich regionale Gruppen gebildet. Die Organisation solcher Treffen und die Koordination der Regionalgruppen erfordern Ressourcen, deren Herkunft unklar bleibt. Eine Quelle erwähnt, dass die Webseite "mangoes & bullets", die auch über das Netzwerk Care Revolution informiert, 2015 durch ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ, aus Mitteln der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin sowie aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst gefördert wurde. Ob diese Förderung auch direkt dem Netzwerk Care Revolution zugutekam oder nur der Webseite, die darüber berichtet, ist nicht eindeutig.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung tritt als Mitveranstalterin von Konferenzen auf, an denen das Netzwerk Care Revolution beteiligt ist (siehe nächster Abschnitt und V.A.2), was auf eine Form der Unterstützung durch diese parteinahe Stiftung hindeutet. Gabriele Winker, eine Mitbegründerin des Netzwerks Care Revolution, hat 2022 die Stiftung Care for Future gegründet , deren finanzielle Verbindung zum Netzwerk Care Revolution jedoch nicht expliziert wird.

C. Finanzierung der Konferenz Antisexistische Praxen

Die "Antisexistische Praxen Konferenz", die von Ann Wiesental initiiert wurde und von 2007 bis 2012 jährlich stattfand, wurde von queerfeministischen Personen und Gruppen organisiert. Spezifische Angaben zur Finanzierung dieser Konferenzreihe sind in den vorliegenden Materialien nicht enthalten. Es ist anzunehmen, dass die Finanzierung durch Teilnahmebeiträge, Spenden oder die unentgeltliche Arbeit der Organisator*innen und Referent*innen erfolgte, wie es im links-alternativen Spektrum oft üblich ist.

Die Awareness Konferenz 2024 in Berlin, auf der Ann Wiesental ebenfalls einen Workshop anbot, wurde explizit als selbstorganisiert und auf Basis unbezahlten politischen Engagements beschrieben. Es wurde kein Eintrittsgeld verlangt, Spenden vor Ort waren jedoch willkommen. Dies könnte ein Hinweis auf die generelle Finanzierungsphilosophie solcher Veranstaltungen im Umfeld der Awareness-Bewegung sein.

D. Finanzierung der Gruppe RESPONS

Die Gruppe RESPONS, deren Mitbegründerinnen Ann Wiesental und Melanie Brazzell sind, arbeitet seit 2009 praktisch und theoretisch zu Transformativen Ansätzen. Konkrete Informationen zur Finanzierung der Gruppe RESPONS selbst sind in den Snippets nicht enthalten. Ihre Arbeit mündet in Publikationen wie dem Handbuch "Was tun bei sexualisierter Gewalt?", das im Unrast Verlag erschienen ist. Einnahmen aus Buchverkäufen könnten eine Finanzierungsquelle darstellen, aber über eine darüberhinausgehende strukturelle Finanzierung oder Projektförderung für RESPONS als Gruppe liegen keine Angaben vor. Melanie Brazzell ist auch Mitbegründerin des Transformative Justice Kollektiv Berlin. Dieses Kollektiv bzw. verwandte Ansätze scheinen Zugang zu Fördertöpfen zu haben. So gibt es einen "Fördertopf für machtkritische Bildung und Prozessbegleitung von politischen Gruppen" mit einem Gesamtvolumen von 50.000 Euro über zwei Jahre (Start 01.09.2022), der explizit die Arbeit von linken Kommunikations-/Bildungs-Kollektiven fördert, aber transformative Arbeit mit gewaltausübenden Personen ausschließt. Ob RESPONS direkt oder indirekt von solchen Töpfen profitiert, ist unklar. Melanie Brazzells Forschungsarbeit zu transformativer Gerechtigkeit wird im Rahmen ihres PhD-Studiums an der University of California Santa Barbara und als Fellow am P3 Lab der Johns Hopkins University verortet.

E. Rolle von Stiftungen und öffentlichen Geldern (z.B. Rosa-Luxemburg-Stiftung, "Demokratie leben!")

Wie bereits in den vorherigen Abschnitten deutlich wurde, spielen Stiftungen und öffentliche Gelder eine signifikante Rolle bei der Finanzierung von Projekten im Umfeld von Ann Wiesental und den von ihr mitgetragenen Netzwerken.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung, eine parteinahe Stiftung der Partei DIE LINKE, tritt als Mitveranstalterin von Konferenzen auf, an denen das Netzwerk Care Revolution und Ann Wiesental beteiligt sind. Beispielsweise wurde die Konferenz "Towards New Strategies for Health and Carework" 2015 von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Bundestagsfraktion DIE LINKE und dem Netzwerk Care Revolution organisiert. Barbara Fried, eine Mitbegründerin des Netzwerks Care Revolution, ist Referentin für feministische Klassenpolitik in der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Dies deutet auf eine enge ideologische und finanzielle bzw. infrastrukturelle Unterstützung hin. Die Stiftung war auch Mitherausgeberin des "Feminist Futures Festival" 2019, zusammen mit dem Netzwerk Care Revolution und dem Konzeptwerk Neue Ökonomie.

Das Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist eine weitere wichtige öffentliche Finanzierungsquelle. Das Projekt "support f(x) – Schnittstelle für Awareness" der Initiative Awareness e.V. (Kooperationspartnerin Ann Wiesental) wurde über dieses Programm gefördert. Das BMFSFJ fördert auch generell Projekte zur Stärkung von Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes unterstützte 2021/22 den Verein Act Aware bei der Entwicklung von Empfehlungen für den Veranstaltungssektor im Bereich Awareness. Eine detaillierte Auflistung aller durch "Demokratie leben!" geförderten Projekte der Initiative Awareness e.V. oder direkt von Ann Wiesental ist über die Projektdatenbank des Programms, die sich laut einer Quelle im Aufbau befindet, nicht ohne Weiteres zu ermitteln. Eine Bundestagsdrucksache listet Zuwendungsempfänger des Programms auf, jedoch ist eine spezifische Zuordnung ohne genaue Projektnummern oder detailliertere Angaben schwierig. Ein Dokument listet Modellprojekte der Förderperiode 2020-2024 auf, in dem die Initiative Awareness e.V. jedoch nicht explizit auftaucht, was aber nicht ausschließt, dass sie über andere Programmlinien oder als Unterauftragnehmerin gefördert wurde.

Weitere Stiftungen wie die Stiftung Deutsches Hilfswerk und die Heidehof Stiftung werden als Förderer von Projekten der Initiative Awareness e.V. genannt. Die Heidehof Stiftung fördert Projekte in den Bereichen Bildung, Umwelt, Soziales und Menschen mit Behinderung.

Die Inanspruchnahme staatlicher und stiftungsbasierter Finanzierung ist für viele zivilgesellschaftliche Organisationen üblich, wirft aber auch Fragen nach möglicher Einflussnahme und der Ausrichtung der geförderten Projekte auf. Die Notwendigkeit, Förderkriterien zu erfüllen, kann potenziell zu einer Anpassung von Inhalten und Methoden führen, ein Aspekt, der im Kontext der Befürchtung einer "Verflachung" des Awareness-Ansatzes relevant sein könnte.

V. Kooperationen und Netzwerke

Ann Wiesental und die von ihr initiierten oder mitgetragenen Projekte sind in ein dichtes Geflecht von Kooperationen und Netzwerken eingebunden, die primär im queerfeministischen, linken und sozialen Bewegungs-Spektrum angesiedelt sind.

A. Netzwerk Care Revolution

1. Ziele und Struktur

Das Netzwerk Care Revolution ist ein 2014 gegründeter, bundesweiter Zusammenschluss von über 80 Kooperationspartner*innen (Stand 2017). Es versteht sich als Teil einer im Entstehen begriffenen Care-Bewegung. Ziel des Netzwerks ist es, gegen Lücken in der öffentlichen Daseinsvorsorge zu kämpfen, die zu Überforderung und Zeitmangel führen. Langfristig werden neue Modelle von Sorge-Beziehungen und eine Care-Ökonomie angestrebt, in denen nicht Profitmaximierung, sondern die Bedürfnisse der Menschen im Zentrum stehen. Dabei sollen Sorgearbeiten und Care-Ressourcen nicht nach rassistischen, geschlechtlichen oder klassenbezogenen Kriterien verteilt werden. Das Netzwerk bringt seine Anliegen mit vielfältigen Aktionen auf die Straße und in die öffentliche Diskussion. Es trifft sich zweimal jährlich zu überregionalen Netzwerktreffen, und es haben sich mindestens 10 Regionalgruppen gebildet (z.B. in Berlin, Freiburg, Hamburg, Leipzig). Ein Kernprinzip ist es, die Positionen von Care-Nehmer*innen und Care-Geber*innen (sowohl bezahlte als auch unbezahlte Care-Arbeit) zusammenzudenken, um Interessen nicht gegeneinander auszuspielen. Die Politisierung von Geschlechterverhältnissen ist dabei zentral, da unbezahlte Sorgearbeit oft Frauen zugewiesen wird und Care-Berufe abgewertet werden. Die Webseite des Netzwerks ist www.care-revolution.org, war jedoch zum Zeitpunkt der Recherche teilweise nicht zugänglich.

2. Akteur*innen und Partnerorganisationen (inkl. Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Das Netzwerk Care Revolution vereint ein breites Spektrum an Akteur*innen. Dazu gehören Elterninitiativen, migrantische Selbstorganisationen, (queer-)feministische Gruppen, Gewerkschafts-Betriebsgruppen aus Pflege und Erziehung, Initiativen pflegender Angehöriger, Gruppen von Menschen mit Behinderungen, Organisationen sozialer Bewegungen (wie attac) sowie kirchliche und parteiunabhängige linke Gruppen. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist eine wichtige Partnerorganisation. Sie trat als Mitorganisatorin der Konferenz "Towards New Strategies for Health and Carework" 2015 in Berlin auf, gemeinsam mit der Bundestagsfraktion DIE LINKE und dem Netzwerk Care Revolution. Diese Konferenz wurde auch von weiteren Organisationen wie attac, "express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit", dem Büro für Heimarbeit Angehörige Berlin, der Initiative gegen Verarmung durch Pflege und der Interventionistischen Linken (IL) Berlin unterstützt. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung war ebenfalls Mitveranstalterin des "Feminist Futures Festival" 2019, zusammen mit dem Netzwerk Care Revolution und dem Konzeptwerk Neue Ökonomie. Barbara Fried, eine Mitbegründerin des Netzwerks Care Revolution, ist als Referentin für feministische Klassenpolitik bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung tätig und hat die Vernetzung rund um das Konzept der "Sorgenden Städte" in Deutschland mit angestoßen. Gabriele Winker, ebenfalls eine zentrale Figur und Mitbegründerin des Netzwerks Care Revolution , ist Professorin und Care-Aktivistin. Ihre Publikationen erscheinen u.a. im transcript Verlag.

3. Rolle Ann Wiesentals

Ann Wiesental wird in den Quellen als Akteurin im Netzwerk Care Revolution genannt. Sie hat das Netzwerk bei der 24. AKF-Jahrestagung 2017 in einem Workshop vorgestellt. Bei der Konferenz "Towards New Strategies for Health and Carework" 2015 hielt sie zusammen mit Barbara Fried einen Einführungsworkshop zum Thema "The Crisis of Social Reproduction and the Care Revolution Network". Eine Quelle nennt sie als Mitgründerin des Netzwerks Care Revolution.

B. Awareness Institut: Partner und Kooperationen

Das Awareness Institut wurde 2021 von einem Zusammenschluss verschiedener Gruppen und Einzelpersonen gegründet, darunter Ann Wiesental, Initiative Awareness Leipzig, rave*awareness (Berlin), AwA* (Wien), A*Team Freiburg und Safe Night e.V. (Hamburg). Es versteht sich als Netzwerk von Kollektiven und Initiativen, die im Bereich Awareness und Bildungsarbeit tätig sind. Die Initiative Awareness e.V., ein Trägerverein des Instituts , listet für ihr Projekt "support f(x) – Schnittstelle für Awareness" (bundesweit, 2021-2024) eine Reihe von Kooperationspartner*innen auf, zu denen neben Ann Wiesental selbst auch das Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB Sachsen), Bellis e.V. (Modellprojekt Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung und häuslicher Gewalt), BFF - Frauen gegen Gewalt e.V. (Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe), Drug Scouts (Kollektiv für akzeptierende Drogenarbeit), GLADT e.V. (Selbstorganisation von Schwarzen und of Color Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und Queere Menschen), die Initiative Barrierefrei Feiern, ISD (Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, Ortsgruppe Leipzig), TriQ -TransInterQueer e.V. und LiveKommbinat Leipzig e.V. gehören. Rave Awareness (Bildungskollektiv) ist ebenfalls als Partner aufgeführt. Ann Wiesental ist als externe Ombudsperson für das SV-Bildungswerk e.V. tätig und wird dabei dem Awareness Institut zugeordnet.

C. Zusammenarbeit mit Einzelpersonen und Gruppen

1. Fabian (Fusion Festival Awareness Crew)

Im Jahr 2012 gründete Ann Wiesental zusammen mit einer Person namens Fabian die erste Festival Awareness Crew für das Fusion Festival. Dies war ein wichtiger Schritt zur Etablierung von Awareness-Strukturen auf großen Musikfestivals.

2. Melanie Brazzell (RESPONS, Transformative Justice Kollektiv Berlin)

Melanie Brazzell ist eine enge Kooperationspartnerin von Ann Wiesental. Sie ist Mitbegründerin der Gruppe RESPONS und des Transformative Justice Kollektiv Berlin. Brazzell forscht und publiziert zu transformativer Gerechtigkeit, insbesondere als Alternative zu staatlichen Strafsystemen bei sexualisierter und partnerschaftlicher Gewalt. Ihre Arbeit verbindet feministische Ansätze aus Deutschland mit Konzepten wie 'Community Accountability' aus US-amerikanischen Women of Color, queeren und trans* Kontexten. Sie ist im Rahmen eines PhD-Studiums an der University of California Santa Barbara und als Fellow am P3 Lab der Johns Hopkins University tätig. Das Transformative Justice Kollektiv Berlin bzw. verwandte Ansätze scheinen Zugang zu spezifischen Fördertöpfen für machtkritische Bildungs- und Prozessbegleitung zu haben, wobei explizit erwähnt wird, dass transformative Arbeit mit gewaltausübenden Personen davon ausgenommen sein kann. Die Bewegungsstiftung fördert diverse Projekte im Bereich soziale Gerechtigkeit, darunter auch Kollektive, die im Umfeld transformativer Ansätze arbeiten könnten.

3. Weitere Akteur*innen und Gruppen im queerfeministischen und linken Spektrum

Die Entwicklung des Awareness-Ansatzes durch Ann Wiesental erfolgte in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Aktivist*innen und Gruppen aus der queerfeministischen Bewegung. Dazu gehörten frühzeitig re.ACTion Münster (bekannt durch die Publikation "Antisexismus_reloaded" im Unrast Verlag), das Antisexismusbündnis Berlin (AS.ISM Broschüren), die Gruppe TAM und die Kampagne Definitionsmacht.tk. Die "Antisexistische Praxen Konferenz" (2007-2012) wurde von queerfeministischen Personen und Gruppen organisiert und geprägt. Die Verbreitung des Ansatzes wurde auch durch Gruppen wie e*vibes aus Dresden vorangetrieben. Neuere Gründungen von Awareness-Gruppen wie Initiative Awareness Leipzig, rave*awareness Berlin und ATeam Freiburg (alle 2017) sind Teil dieses sich erweiternden Netzwerks. Die Awareness-Bewegung positioniert sich explizit gegen einen trans-exklusiven Feminismus und solidarisiert sich mit der Sexarbeiter*innen-Bewegung.

D. Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten oder Institutionen (z.B. politische Parteien, Stiftungen)

Die deutlichste Verbindung zu einer einflussreichen politischen Institution besteht über die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die der Partei DIE LINKE nahesteht. Wie bereits unter V.A.2 und IV.E dargelegt, ist die Stiftung eine wichtige Kooperationspartnerin und Unterstützerin des Netzwerks Care Revolution und von Konferenzen, an denen Ann Wiesental beteiligt war. Barbara Fried, eine Schlüsselfigur im Netzwerk Care Revolution, ist bei der Stiftung angestellt.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) fördert über das Programm "Demokratie leben!" Projekte, an denen die Initiative Awareness e.V. und indirekt Ann Wiesental beteiligt sind. Dies stellt eine Verbindung zur Bundesregierungsebene her, wenn auch auf Projektebene. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat ebenfalls Projekte im Bereich Awareness-Strukturen gefördert.

Weitere Verbindungen zu einflussreichen Institutionen bestehen über die Finanzierung durch Stiftungen wie die Stiftung Deutsches Hilfswerk und die Heidehof Stiftung.

Direkte Verbindungen zu einflussreichen Einzelpersonen aus der Spitzenpolitik, abseits der genannten institutionellen Förderungen und Kooperationen auf Arbeitsebene (z.B. mit der Bundestagsfraktion DIE LINKE im Rahmen von Konferenzen), sind aus den vorliegenden Quellen nicht explizit ersichtlich. Eine Verbindung zu Franziska Giffey (SPD), ehemalige Bundesfamilienministerin und Regierende Bürgermeisterin von Berlin , wird in den Snippets nicht hergestellt. Die Zusammenarbeit konzentriert sich stark auf Akteur*innen innerhalb der Zivilgesellschaft, spezifischer sozialer Bewegungen und verwandter akademischer Kreise.

Der Unrast Verlag, bei dem Ann Wiesental ihre Bücher publiziert , ist ein etablierter Verlag im linken Spektrum, der kritischer Literatur eine Plattform bietet und selbst über eine lange Geschichte und Vernetzung in diesen Kreisen verfügt. Dies verschafft Wiesentals Ideen eine gewisse Reichweite innerhalb dieser Zielgruppen.

Die Arbeit von Ann Wiesental und ihren Netzwerken ist somit in ein spezifisches politisch-ideologisches Umfeld eingebettet, das von queerfeministischen, linken und kapitalismuskritischen Positionen geprägt ist. Die Kooperationen und Finanzierungsquellen spiegeln diese Verortung wider. Während die Zusammenarbeit mit etablierten Stiftungen und die Inanspruchnahme staatlicher Förderprogramme auf eine gewisse Anerkennung und Professionalisierung hindeuten, bleibt die primäre Ausrichtung auf zivilgesellschaftliche Bewegungen und alternative Strukturen bestehen.

VI. Kritische Analyse und Kontroversen

Die Arbeit von Ann Wiesental und die von ihr maßgeblich geprägten Konzepte und Netzwerke sind Gegenstand verschiedener kritischer Auseinandersetzungen. Diese Kritikpunkte betreffen sowohl die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzung des Awareness-Ansatzes als auch Fragen der Finanzierung und der Verortung innerhalb breiterer gesellschaftspolitischer Debatten.

A. Kritik am Awareness-Konzept

1. Problematik der Definitionsmacht und Parteilichkeit

Die Prinzipien der Definitionsmacht und der Parteilichkeit, die zentral für den Awareness-Ansatz sind , stehen im Mittelpunkt der Kritik. Während sie darauf abzielen, die Perspektive von Betroffenen zu stärken und Retraumatisierung zu verhindern , werfen Kritiker*innen Fragen hinsichtlich rechtsstaatlicher Prinzipien und möglicher negativer Konsequenzen auf. Die Studie "Awareness: Paradoxien eines Emotionsprogramms" von Nadine Maser und Sighard Neckel (2023) analysiert, dass die unbedingte Anerkennung der Definitionsmacht der betroffenen Person und die damit verbundene Parteilichkeit dazu führen können, dass beschuldigten Personen keine Möglichkeit zur eigenen Stellungnahme gegeben wird, bevor Konsequenzen erfolgen. Dies wird am Beispiel einer Kampagne illustriert, bei der eine beschuldigte Person ohne vorherige Anhörung ausgeschlossen wurde, mit der Begründung: "Wir handeln nicht rechtsstaatlich, sondern parteilich". Diese Praxis kann im Widerspruch zu Grundsätzen wie der Unschuldsvermutung und dem Recht auf rechtliches Gehör stehen.

Auch innerhalb der Awareness-Bewegung selbst gibt es kritische Reflexionen dieser Prinzipien. Die Gruppe E*SPACE (assoziiert mit e*vibes Dresden) äußert sich in einem Diskussionspapier kritisch zur praktischen Anwendung von Definitionsmacht. Sie bemängelt, dass es keine einheitliche Definition gebe und die Anwendung oft zu Ausschlüssen aus Veranstaltungen oder sogar ganzen Szenen führe, ohne dass den Beschuldigten erklärt werde, was sie falsch gemacht hätten oder ihnen die Möglichkeit zur Veränderung gegeben werde. E*SPACE argumentiert, dass das Konzept der Definitionsmacht an seine Grenzen stoße, wenn Situationen mehrdeutig seien oder Gewalt von mehreren Seiten ausgehe. Sie plädieren dafür, Beschuldigten die Möglichkeit zu geben, gehört zu werden und sich ggf. zu verteidigen, und warnen vor Willkür oder Rache. Gleichzeitig betonen sie die Wichtigkeit von Parteilichkeit für Betroffene. Die Initiative Awareness e.V. stellt in einem Leitfaden klar, dass Definitionsmacht nicht die Macht über Konsequenzen oder Sanktionen einschließe ("Sanktionsmacht"), da dies einer strafenden Logik folge, die man ablehne. Stattdessen sei zentral, die Handlungsmacht der betroffenen Person wiederherzustellen.

Die Herausforderung besteht darin, einen betroffenen-zentrierten Ansatz zu verfolgen, der die Erfahrungen ernst nimmt, ohne dabei rechtsstaatliche Mindeststandards oder die Möglichkeit einer fairen Auseinandersetzung für alle Beteiligten zu untergraben. Die breite Definition von Gewalt im Awareness-Kontext, die auch diskriminierende Äußerungen oder "irritierende Blicke" umfassen kann , verschärft diese Problematik, da die Schwelle für Interventionen und mögliche Sanktionen niedrig angesetzt werden kann.

2. Gefahr der Verflachung, Kommerzialisierung und Instrumentalisierung

Mit der zunehmenden Verbreitung des Awareness-Ansatzes wächst die Sorge vor einer Verflachung, Kommerzialisierung und Instrumentalisierung. Ann Wiesental selbst thematisiert diese Gefahr und versucht, mit Publikationen wie "Haltung zeigen" entgegenzuwirken, indem sie die zugrundeliegende Haltung betont. Auf Vernetzungstreffen wurde bereits 2019 diskutiert, dass neue Akteur*innen im Mainstream oft wichtige Grundlagen des Awareness-Ansatzes nicht umsetzen. Caspar Shaller kritisierte in der taz, dass Veranstalter durch den Einsatz von Awareness-Teams lediglich vorgaukeln könnten, etwas gegen Sexismus und Diskriminierung zu tun, ohne wirklich aktiv zu werden. Im Kontext der Vorwürfe gegen die Band Rammstein und der Forderung von Familienministerin Lisa Paus (Grüne) nach Awareness-Teams bei Konzerten, stellte Shaller die Frage, ob ein solches Konzept "von oben herab verordnet" werden könne und ob dies die Musikbranche nicht aus der Verantwortung entlasse. Die Übertragung eines aus subkulturellen, selbstorganisierten Kontexten stammenden Konzepts in kommerzielle oder staatlich regulierte Bereiche birgt das Risiko, dass dessen kritischer Kern verloren geht und es zu einem reinen Label oder einer Alibi-Maßnahme verkommt. Die Sorge ist, dass die "Awareness-Arbeit zu einer Dienstleistung verkommt, die man einkaufen kann, ohne die dahinterstehende Haltung und die notwendigen strukturellen Veränderungen wirklich umzusetzen" (sinngemäß aus der Problematik abgeleitet).

3. Spannungsverhältnis zu rechtsstaatlichen Prinzipien und Meinungsfreiheit

Wie unter VI.A.1. dargelegt, kann die Praxis der Definitionsmacht und der unmittelbaren Parteilichkeit in Spannung zu rechtsstaatlichen Prinzipien wie der Unschuldsvermutung und dem Recht auf Anhörung stehen. Wenn Ausschlüsse oder andere Sanktionen ohne transparente Verfahren und ohne die Möglichkeit einer Verteidigung erfolgen, kann dies als problematisch im Hinblick auf individuelle Rechte angesehen werden. Die breite Definition von Gewalt und Grenzverletzung, die auch verbale Äußerungen oder als unangenehm empfundene Blicke umfassen kann , kann potenziell auch die Meinungsfreiheit berühren, insbesondere wenn präventiv bestimmte Äußerungen oder Verhaltensweisen unterbunden werden sollen, um niemanden zu "triggern" oder emotional zu belasten. Die Studie von Maser und Neckel verweist auf "Triggerwarnungen" und den Schutz vor semantischen oder visuellen Inhalten, die als potenziell diskriminierend empfunden werden könnten, auch im universitären Kontext. Hier entsteht ein komplexes Abwägungsfeld zwischen dem Schutz vor Diskriminierung und psychischer Belastung einerseits und der Freiheit der Meinungsäußerung und des wissenschaftlichen Diskurses andererseits.

4. Interne Kritik und Weiterentwicklungsversuche

Die Awareness-Bewegung ist sich einiger dieser Kritikpunkte bewusst und es gibt interne Diskussionen sowie Versuche der Weiterentwicklung. Die Gründung des Awareness Instituts 2021 kann als Reaktion auf die Verflachungstendenzen und als Versuch verstanden werden, Qualitätsstandards zu sichern und den emanzipatorischen Kern des Ansatzes zu bewahren. Die Arbeit an Mindeststandards für Awareness-Arbeit durch das Institut ist ein Beispiel dafür. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Definitionsmacht, wie sie beispielsweise von der Gruppe E*SPACE geführt wird , und die Unterscheidung zwischen "Definitionsmacht" und "Sanktionsmacht" durch die Initiative Awareness e.V. zeigen, dass innerhalb der Bewegung um Begriffe und Konzepte gerungen wird. Der Verweis auf Ansätze wie "Community Accountability" und "Transformative Justice" deutet auf die Suche nach alternativen Wegen im Umgang mit Gewalt und Konflikten hin, die über reine Ausschlusspraktiken hinausgehen. Ann Wiesental selbst adressiert in "Haltung zeigen" die Notwendigkeit, den Blick auf das Wesentliche – die Haltung – zu richten, um einer Verflachung entgegenzuwirken. Ob diese internen Reflexionsprozesse ausreichen, um die grundlegenden Spannungen aufzulösen, bleibt abzuwarten. Die Gefahr besteht, dass eine "nicht gut informierte Awareness zusätzlich diskriminierend und gewaltsam sein kann", wenn die eigene Rolle und Machtposition nicht ausreichend reflektiert wird.

B. Kontroversen um die Finanzierung

1. Transparenz der Geldflüsse

Die Finanzierung der Projekte und Netzwerke um Ann Wiesental erfolgt, wie in Abschnitt IV dargelegt, durch eine Mischung aus staatlichen Förderprogrammen (z.B. "Demokratie leben!", Mittel von Bundesministerien und Landesregierungen), Stiftungsgeldern (z.B. Stiftung Deutsches Hilfswerk, Heidehof Stiftung, potenziell Rosa-Luxemburg-Stiftung) und Eigenengagement (Spenden, unbezahlte Arbeit). Während die Förderung durch öffentliche Programme und größere Stiftungen in der Regel gewissen Transparenzanforderungen unterliegt (z.B. Nennung in Projektdatenbanken oder Jahresberichten), ist die vollständige Offenlegung aller Finanzströme, insbesondere bei informelleren Netzwerken oder kleineren Kollektiven, nicht immer gegeben. Für das Netzwerk Care Revolution oder die Gruppe RESPONS sind beispielsweise kaum spezifische, detaillierte Finanzierungsangaben öffentlich zugänglich. Die Abhängigkeit von Projektmitteln kann zudem zu einer unsicheren Finanzlage und diskontinuierlicher Arbeit führen.

2. Mögliche Einflussnahme durch Geldgeber

Die Inanspruchnahme staatlicher und stiftungsbasierter Förderung birgt potenziell das Risiko der Einflussnahme durch die Geldgeber. Förderprogramme sind oft an spezifische Zielvorgaben, inhaltliche Schwerpunkte und administrative Auflagen geknüpft. Organisationen, die solche Mittel akquirieren wollen, müssen ihre Anträge und Projektkonzeptionen entsprechend ausrichten. Dies kann dazu führen, dass bestimmte Aspekte der eigenen Arbeit stärker betont und andere, möglicherweise radikalere oder systemkritischere, in den Hintergrund gerückt werden, um die Förderfähigkeit zu erhöhen. Die Sorge vor einer "Verflachung" oder einem "Mainstreaming" des Awareness-Ansatzes könnte auch durch diese Dynamiken verstärkt werden. Wenn Awareness-Projekte primär unter dem Label der "Demokratieförderung" oder "Gewaltprävention" im Sinne staatlicher Programme laufen, besteht die Gefahr, dass die tiefgreifendere Macht- und Gesellschaftskritik, die ursprünglich mit dem Ansatz verbunden war, abgeschwächt wird. Die Nähe bestimmter Stiftungen zu politischen Parteien (z.B. Rosa-Luxemburg-Stiftung zu DIE LINKE) kann ebenfalls Fragen nach der politischen Ausrichtung und Unabhängigkeit der geförderten Projekte aufwerfen, auch wenn dies im linken Spektrum oft als legitime Unterstützung für gleichgerichtete Ziele gesehen wird.

C. Kritik an spezifischen Projekten oder Kooperationen

Spezifische Kritik an einzelnen Projekten von Ann Wiesental oder ihren Kooperationen ist in den vorliegenden Quellen weniger detailliert ausgeführt als die generelle Kritik am Awareness-Konzept. Die Kritik von Caspar Shaller an der Forderung nach staatlich verordneten Awareness-Teams bei Konzerten zielt zwar auf einen Vorschlag von Ministerin Paus, berührt aber indirekt die Frage, wie und durch wen Awareness-Konzepte implementiert werden und ob dies zu einer Entprofessionalisierung oder Instrumentalisierung führt. Die Kooperationen, beispielsweise im Rahmen des Awareness Instituts oder des Netzwerks Care Revolution, finden überwiegend innerhalb eines relativ homogenen politisch-ideologischen Spektrums statt (queerfeministisch, links, kapitalismuskritisch). Dies ist per se nicht kritikwürdig, kann aber die Frage aufwerfen, inwieweit ein Austausch mit und eine Auseinandersetzung mit Perspektiven außerhalb dieses Spektrums stattfindet, insbesondere wenn es um gesamtgesellschaftliche Geltungsansprüche der entwickelten Konzepte geht.

D. Einordnung in breitere Debatten (Identitätspolitik, Cancel Culture)

Die Awareness-Bewegung und die damit verbundenen Kontroversen lassen sich in breitere gesellschaftliche Debatten um sogenannte "Identitätspolitik" und "Cancel Culture" einordnen. Maser und Neckel (2023) verorten Awareness explizit im Kontext dieser kontroversen Debatten, die oft durch moralisch aufgeladene Streitigkeiten und wechselseitige Vorwürfe übersteigerter Emotionalität gekennzeichnet sind. Der Fokus auf subjektives Erleben, die Definitionsmacht Betroffener und die Parteilichkeit können als Elemente einer identitätspolitischen Praxis interpretiert werden, die die spezifischen Erfahrungen marginalisierter Gruppen in den Vordergrund stellt. Kritiker*innen solcher Ansätze befürchten mitunter eine Fragmentierung des gesellschaftlichen Diskurses, eine Überbetonung von Verletzlichkeit und eine Einschränkung der Meinungsfreiheit durch die Antizipation möglicher Kränkungen. Die Praxis, Personen aufgrund von Vorwürfen ohne formales Verfahren aus bestimmten Kontexten auszuschließen, wie sie im Zusammenhang mit der Definitionsmacht kritisiert wird , weist Parallelen zu Phänomenen auf, die unter dem Schlagwort "Cancel Culture" diskutiert werden. Hierbei geht es um das Spannungsverhältnis zwischen dem legitimen Bedürfnis, Räume diskriminierungsfrei zu gestalten und Verantwortlichkeit für schädigendes Verhalten einzufordern, und der Gefahr von öffentlicher Anprangerung, sozialer Ächtung und dem Mangel an rechtsstaatlichen Garantien für Beschuldigte. Die Awareness-Bewegung ist somit ein spezifisches Feld, auf dem diese grundlegenden ethischen und politischen Fragen über den Umgang mit Macht, Diskriminierung, individuellen Rechten und kollektiver Verantwortung verhandelt werden. Die Art und Weise, wie diese Bewegung mit den inhärenten Spannungen und Paradoxien ihrer eigenen Ansätze umgeht , wird entscheidend für ihre langfristige Legitimität und Wirksamkeit sein.

VII. Zusammenfassende Bewertung und Ausblick

A. Kritische Synthese der Rechercheergebnisse

Ann Wiesental hat seit 2007 eine Schlüsselrolle bei der Einführung, Entwicklung und Verbreitung des Awareness-Ansatzes in Deutschland gespielt. Ihre Aktivitäten umfassen die Organisation von Konferenzen wie der "Antisexistische Praxen Konferenz" , die Mitgründung der Gruppe RESPONS zur transformativen Arbeit mit Gewaltausübenden und des Awareness Instituts zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Ansatzes. Sie ist zudem im Netzwerk Care Revolution aktiv, das eine grundlegende Umgestaltung der Sorgearbeit und eine Care-Ökonomie anstrebt.

Der von ihr maßgeblich geprägte Awareness-Ansatz, basierend auf den Prinzipien der Definitionsmacht Betroffener und der Parteilichkeit , stellt ein wichtiges Instrument zur Sensibilisierung für Diskriminierung und sexualisierte Gewalt sowie zur Unterstützung Betroffener dar. Gleichzeitig ist das Konzept mit inhärenten Problemen und Kontroversen behaftet. Kritisiert werden insbesondere die potenziellen Konflikte mit rechtsstaatlichen Prinzipien, die Gefahr der Verflachung und Instrumentalisierung bei zunehmender Verbreitung sowie die praktische Handhabung der Definitionsmacht.

Die Finanzierung der Projekte und Organisationen im Umfeld von Ann Wiesental ist divers und umfasst staatliche Förderprogramme wie "Demokratie leben!" , Mittel von Bundes- und Landesministerien, Gelder von Stiftungen (z.B. Stiftung Deutsches Hilfswerk, Heidehof Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung) sowie Eigenengagement in Form von Spenden und unbezahlter Arbeit. Diese Mischfinanzierung ermöglicht zwar Ressourcen und Reichweite, wirft jedoch auch Fragen nach Transparenz und möglicher Einflussnahme durch Geldgeber auf, insbesondere im Hinblick auf die Bewahrung eines kritischen und emanzipatorischen Anspruchs.

Die Netzwerke und Kollaborationen, in denen Ann Wiesental und ihre Projekte agieren, sind überwiegend im queerfeministischen, linken und sozialen Bewegungs-Spektrum angesiedelt. Die Zusammenarbeit mit Akteur*innen wie Melanie Brazzell (RESPONS, Transformative Justice Kollektiv Berlin) oder die Verbindungen zur Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstreichen diese Verortung. Diese Netzwerke sind entscheidend für die Verbreitung der Ideen und die Mobilisierung von Ressourcen, operieren aber oft innerhalb eines spezifischen politisch-ideologischen Rahmens.

Die Arbeit von Ann Wiesental und ihren Netzwerken ist symptomatisch für eine breitere Entwicklung in linken und progressiven sozialen Bewegungen. Diese versuchen, auf komplexe Probleme von Macht, Gewalt und Diskriminierung mit neuen Konzepten zu reagieren. Dabei entstehen jedoch neue Herausforderungen und Kritikpunkte, wie die Debatten um Definitionsmacht und Parteilichkeit zeigen. Diese Konzepte, die traditionelle staatliche oder individualisierte Lösungsansätze als unzureichend empfinden und überwinden wollen, geraten in der Praxis mitunter in Konflikt mit etablierten Normen wie rechtsstaatlichen Verfahren oder erzeugen unbeabsichtigte Folgen wie die befürchtete Verflachung oder Instrumentalisierung. Diese Dialektik zwischen emanzipatorischem Anspruch und problematischer Umsetzung ist charakteristisch für viele soziale Bewegungen, die an den Rändern etablierter Systeme operieren und neue Wege suchen.

B. Bewertung der gesellschaftlichen Relevanz und potenziellen Problematiken von Wiesentals Arbeit und Netzwerken

Die von Ann Wiesental und ihren Mitstreiter*innen vorangetriebenen Ansätze adressieren unbestreitbar relevante gesellschaftliche Probleme: sexualisierte Gewalt, vielfältige Formen von Diskriminierung und die strukturelle Unterbewertung von Sorgearbeit. Die Entwicklung von Konzepten wie Awareness und transformativer Gerechtigkeit sowie die Politisierung von Care-Arbeit sind wichtige Beiträge zur Thematisierung dieser Missstände und zur Stärkung von Betroffenen. Sie fördern Sensibilität und bieten Handlungsoptionen jenseits staatlicher Institutionen, die von vielen als unzureichend oder sogar als Teil des Problems wahrgenommen werden.

Gleichzeitig sind die potenziellen Problematiken nicht zu übersehen. Die starke Betonung der subjektiven Definitionsmacht und der Parteilichkeit im Awareness-Konzept kann, wenn sie absolut gesetzt wird, zu Situationen führen, die rechtsstaatlichen Grundsätzen widersprechen und die Rechte beschuldigter Personen unverhältnismäßig einschränken. Die Gefahr der Schaffung neuer Ausschlüsse, der Stigmatisierung oder gar einer Form von "Szene-Justiz" ohne ausreichende Kontrollmechanismen ist real. Die breite Auslegung des Gewaltbegriffs kann zudem zu einer Überdehnung des Konzepts führen und die Grenzen legitimer Kritik oder kontroverser Meinungsäußerung verwischen.

Die Finanzierung durch staatliche Programme wie "Demokratie leben!" stellt die Awareness-Bewegung und verwandte Initiativen vor ein Dilemma. Einerseits ermöglicht sie wichtige Ressourcen, Professionalisierung und eine größere Reichweite. Andererseits besteht die Gefahr, dass eine Anpassung an staatliche Erwartungen und Förderrichtlinien zu einer Entschärfung radikalerer Kritik und zu einer Vereinnahmung führt, was die von Aktivist*innen selbst befürchtete "Verflachung" begünstigen könnte. Die Balance zwischen der Nutzung solcher Ressourcen und der Wahrung der eigenen kritischen und unabhängigen Haltung ist eine ständige Herausforderung.

Das Netzwerk Care Revolution steht vor der typischen Herausforderung breiter Koalitionen: Es muss sehr unterschiedliche Betroffenheiten, Interessenlagen und Mobilisierungsgrade unter einem Dach vereinen. Der Erfolg hängt davon ab, ob es gelingt, übergeordnete gemeinsame Ziele zu formulieren und Strategien zu entwickeln, die trotz der Heterogenität der Akteur*innen handlungsleitend und mobilisierend wirken. Die Übertragung der Analyse der "Krise der sozialen Reproduktion" in konkrete, breit getragene politische Forderungen ist hierbei zentral.

C. Mögliche zukünftige Entwicklungen und Desiderata

Die Nachhaltigkeit und der langfristige positive Einfluss der von Ann Wiesental mitgeprägten Bewegungen und Konzepte werden entscheidend davon abhängen, wie konstruktiv sie mit interner und externer Kritik umgehen. Eine offene Auseinandersetzung mit den problematischen Aspekten der Definitionsmacht, die Entwicklung transparenter und fairer Verfahren im Umgang mit Konflikten und Vorwürfen sowie eine klare Abgrenzung gegenüber Instrumentalisierungsversuchen sind notwendig. Die von Wiesental selbst angestoßene Reflexion über "Haltung" und die Gründung des Awareness Instituts zur Qualitätssicherung deuten auf ein Bewusstsein für diese Herausforderungen hin.

Zukünftig wird es wichtig sein, die Balance zwischen dem radikalen emanzipatorischen Anspruch und der praktischen Umsetzbarkeit der Konzepte zu finden. Dies beinhaltet auch eine kontinuierliche Reflexion der eigenen Machtstrukturen innerhalb der Bewegungen und Netzwerke. Eine transparente Gestaltung der Finanzierung und eine klare Kommunikation über die Verwendung von Mitteln können dazu beitragen, die Glaubwürdigkeit zu stärken und dem Vorwurf der Vereinnahmung entgegenzuwirken.

Für die Forschung bleibt es ein wichtiges Feld, die Entwicklung dieser Ansätze kritisch zu begleiten, ihre Auswirkungen empirisch zu untersuchen und die komplexen Verflechtungen von Aktivismus, Theoriebildung, Organisationsentwicklung und Finanzierungsstrategien in der zeitgenössischen Zivilgesellschaft weiter zu analysieren. Die Arbeit von Ann Wiesental und ihrem Umfeld bietet hierfür ein aufschlussreiches Fallbeispiel. Es bedarf weiterer unabhängiger Studien, die die Effektivität, aber auch die unbeabsichtigten Nebenfolgen von Awareness-Maßnahmen und transformativen Ansätzen untersuchen, um zu einer fundierten Bewertung ihrer gesamtgesellschaftlichen Bedeutung zu gelangen.

Quellenangaben

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